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Vom leeren Blatt zur fertigen Rede — die komplette Anleitung.
Sprüche & Segensworte
Ein guter Taufspruch gibt der Rede einen Halt — einen Gedanken, der über den Tag hinaus mitgeht. Ob ein Vers aus der Bibel oder ein weltliches Wort über den Lebensweg: Entscheidend ist, dass der Spruch zur Familie passt und zu dem, was Sie dem Kind wünschen. Hier finden Sie beide Wege und sechs klassische Beispiele.
Ein christlicher Taufspruch — meist ein Bibelvers — bietet sich an, wenn der Glaube in der Familie eine Rolle spielt und die Taufe kirchlich gefeiert wird. Er verbindet die Rede mit dem Rahmen des Festes und klingt vielen vertraut. Ein weltlicher Spruch dagegen spricht vom Leben, vom Weg und von guten Wünschen, ohne einen religiösen Bezug vorauszusetzen — eine schöne Wahl, wenn die Taufe vor allem ein Familienfest ist.
Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Wählen Sie, was ehrlich zu Ihnen und zur Familie passt — ein Spruch, hinter dem Sie nicht stehen, klingt aufgesetzt, egal wie schön er ist.
Diese Verse gehören zu den meistgewählten Taufsprüchen und stammen aus der Bibel (hier in der Lutherübersetzung sinngemäß wiedergegeben):
• „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen." — Psalm 91, Vers 11. Ein Bild von Schutz und Begleitung, sehr beliebt zur Taufe.
• „Ich bin bei euch alle Tage." — nach Matthäus 28, Vers 20. Kurz, klar, tröstlich — ein Versprechen von Nähe.
• „Die Liebe hört niemals auf." — 1. Korinther 13, Vers 8. Aus dem bekannten Hohelied der Liebe, das auch bei Taufen oft gewählt wird.
Diese Worte kommen ohne religiösen Bezug aus und sprechen vom Weg, vom Wachsen und vom Begleiten:
• „Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie." — Friedrich Nietzsche. Ein nachdenklicher Wunsch für ein Leben mit Sinn und Halt.
• „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel." — ein bekanntes Sprichwort, oft Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben (die Zuschreibung ist nicht belegt). Es steht für Geborgenheit und Freiheit zugleich.
• „Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen." — Seneca. Ein leiser Wunsch, das Leben bewusst zu leben.
Ein Spruch wirkt am stärksten, wenn er nicht lose im Raum steht, sondern an Ihren eigenen Gedanken anknüpft. Drei einfache Wege:
Als Einstieg: Sie beginnen mit dem Spruch und erklären dann, warum er Ihnen für genau dieses Kind eingefallen ist. Als Brücke: Sie erzählen erst etwas Persönliches und lassen den Spruch das Gesagte auf den Punkt bringen. Als Schluss: Sie sprechen den Spruch ganz am Ende, kurz vor dem Toast — er wird so zum Segenswunsch, der nachklingt.
Wichtig: Nennen Sie die Quelle nur, wenn sie wirklich gesichert ist, und schmücken Sie den Spruch nicht aus. Ein ehrlicher Satz Ihrer eigenen Worte vor dem Zitat wirkt mehr als drei fremde. Wie Sie den Spruch in den Gesamtaufbau einfügen, zeigt der Ratgeber Aufbau einer Taufrede, und passende erste Sätze finden Sie unter Der richtige Einstieg.
Wenn Sie zwischen mehreren Sprüchen schwanken, hilft ein einfacher Test: Lesen Sie jeden laut vor und achten Sie darauf, ob Sie ihn ehrlich meinen können. Ein Spruch, bei dem Sie innerlich nicken, ist der richtige — einer, der nur schön klingt, fällt beim Vorlesen auf. Denken Sie auch an die Familie: Passt der Vers zu ihrem Glauben, zu ihrer Art? Bei einer ausdrücklich weltlichen Familie wirkt ein Bibelvers fremd, bei einer kirchlich geprägten Taufe ist er oft gerade richtig.
Im Zweifel gilt: weniger ist mehr. Ein einziger, gut gewählter Spruch trägt eine Rede; zwei oder drei aneinandergereihte Zitate erdrücken sie. Und wenn Ihnen überhaupt kein Spruch hundertprozentig zusagt, ist auch das in Ordnung — eine warme Rede in eigenen Worten braucht kein Zitat, um zu berühren.
Im Internet kursieren unzählige Spruchsammlungen, und viele schreiben Zitate den falschen Personen zu — gern werden hübsche Sätze pauschal Goethe, Saint-Exupéry oder „einem indianischen Sprichwort" untergeschoben. Übernehmen Sie eine Quelle nicht ungeprüft. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wer einen Satz wirklich gesagt hat, nennen Sie lieber gar keinen Urheber, als einen falschen zu behaupten. Der Spruch wirkt auch ohne Namensschild — und Sie stehen am Festtag nicht mit einer falschen Zuschreibung da.
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