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Vom leeren Blatt zur fertigen Rede — die komplette Anleitung.
Für Paten und Patinnen
Wenn Eltern jemanden zum Paten bitten, ist das ein Vertrauensbeweis: Sie wählen einen Menschen, der ihr Kind ein Leben lang begleiten soll. Genau das darf Ihre Rede zeigen. Sie müssen nicht der beste Redner im Raum sein — Sie müssen nur sagen, was dieses Amt für Sie bedeutet und was Sie dem Kind versprechen.
Das Patenamt ist mehr als eine schöne Geste. Traditionell übernehmen Paten eine Mitverantwortung für den Weg des Kindes — bei der kirchlichen Taufe für die Begleitung im Glauben, ganz weltlich verstanden als zusätzlicher erwachsener Mensch, der da ist: zum Zuhören, zum Mut machen, manchmal auch als Vertraute außerhalb des Elternhauses. Wenn Sie in Ihrer Rede deutlich machen, dass Sie diese Aufgabe ernst nehmen, haben Sie schon das Wichtigste gesagt.
Der Kern einer Patenrede ist das Versprechen. Sie müssen dafür keine großen Worte bemühen. Sagen Sie konkret, wofür Sie da sein wollen: „Ich kann dir nicht versprechen, dass ich alles richtig mache. Aber ich verspreche dir, dass ich da bin — wenn du jemanden zum Reden brauchst, jemanden zum Lachen, oder einfach jemanden, der zu dir hält." Ein ehrliches, kleines Versprechen wirkt stärker als ein großes, das man später nicht halten kann.
Bei einer kirchlichen Taufe können Sie den Segensgedanken aufnehmen, wenn er zu Ihnen passt — etwa, dass Sie das Kind auf seinem Weg begleiten möchten. Ist Glaube kein Thema, bleiben Sie ruhig ganz weltlich. Die Taufe ist der Rahmen; predigen muss Ihre Rede nicht.
Der wärmste Teil Ihrer Rede ist die Verbindung, die Sie zum Kind und zu den Eltern haben. Erzählen Sie davon: Wie lange kennen Sie die Eltern? Warum haben sie wohl gerade Sie gefragt? Was haben Sie empfunden, als die Frage kam? Eine kleine Geschichte über Ihre Freundschaft mit den Eltern verankert das Versprechen — denn sie zeigt, dass Sie nicht zufällig im Raum stehen, sondern weil Sie dazugehören.
Beispiel: „Als Lena mich angerufen und gefragt hat, ob ich Patin werden möchte, musste ich erst einmal schlucken. Wir kennen uns seit der Schulzeit, und dass sie ausgerechnet mir ihr Kind anvertraut — das hat mich mehr berührt, als ich am Telefon sagen konnte."
Ob Sie als Pate oder als Patin sprechen, ändert nichts am Aufbau, nur vielleicht am Ton. Wichtig ist, dass Sie klingen wie Sie selbst: Wer im Alltag gern lacht, darf auch in der Rede ein Augenzwinkern einbauen — warmherzig, nie auf Kosten des Kindes. Wer eher leise ist, muss nicht laut werden. Authentisch schlägt eindrucksvoll. Konkrete Hinweise für Ihre Rolle finden Sie auf den Seiten Taufrede als Pate und Taufrede als Patin.
Auch die Patenrede folgt dem üblichen Bogen — Begrüßung, Worte über das Kind, Wünsche und Versprechen, Abschluss. Den Rahmen liefert der Ratgeber Aufbau einer Taufrede, die passende Länge der Ratgeber Wie lang sollte eine Taufrede sein?. Und wenn Sie mit einem Spruch schließen möchten, hilft Den passenden Taufspruch finden.
Eine Patenrede gewinnt, wenn Sie an einer Stelle das Kind direkt ansprechen, auch wenn es noch nichts versteht. Dieser Wechsel von „über das Kind" zu „zu dem Kind" macht das Versprechen greifbar: „Du wirst dich an diesen Tag nicht erinnern — aber ich werde dir später erzählen, was ich dir hier versprochen habe." Die Gäste hören dabei mit, und die Worte bekommen ein Gegenüber. Übertreiben Sie es nicht; ein, zwei solcher direkten Sätze genügen, um die Rede persönlich zu machen.
Zwei Dinge nehmen einer Patenrede schnell die Wärme. Das erste ist Übertreibung: Wer dem Kind die ganze Welt verspricht, klingt unglaubwürdig — gerade kleine, haltbare Zusagen rühren. Das zweite ist, die Eltern zu vergessen. Es ist ihr Tag und ihr Kind; ein Satz der Anerkennung an Mutter und Vater gehört in jede Patenrede. Und falls in der Familie auch der zweite Pate spricht, stimmen Sie sich kurz ab, damit nicht beide dieselbe Geschichte erzählen.
Vergessen Sie schließlich nicht, dass Sie nicht perfekt sein müssen. Die Eltern haben Sie nicht wegen Ihrer Redekunst gewählt, sondern wegen des Menschen, der Sie sind. Genau dieser Mensch soll in der Rede zu hören sein — ehrlich, warm und ein bisschen aufgeregt. Das ist kein Makel, das ist der Beweis, dass es Ihnen wichtig ist.
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