Humorvoll & würdevoll
Lachen lassen, ohne zu verletzen.
Zitate-Ratgeber
Ein gutes Zitat kann eine Abschiedsrede krönen — oder sie sofort billig wirken lassen. Der Unterschied liegt selten am Zitat selbst, sondern an zwei Dingen: ob es echt ist und ob es wirklich passt. Hier finden Sie eine Handvoll geprüfter, gemeinfreier Zitate mit gesicherter Quelle — und eine deutliche Warnung vor den Sprüchen, die das halbe Internet falsch zuschreibt.
Suchen Sie „Zitate Abschied", landen Sie sofort bei hübsch gesetzten Sprüchen, die angeblich von Goethe, Konfuzius, Hermann Hesse oder „einem unbekannten Verfasser" stammen. Ein großer Teil davon ist falsch zugeschrieben oder frei erfunden. Berüchtigte Beispiele:
Steht ein Kenner im Publikum, fällt eine falsche Zuschreibung auf — und kostet die ganze Rede an Glaubwürdigkeit. Faustregel: Nur zitieren, was Sie zur Not selbst belegen könnten. Im Zweifel lassen Sie das Zitat weg und sagen es in eigenen Worten.
Ein Text wird in Deutschland 70 Jahre nach dem Tod des Autors gemeinfrei — dann dürfen Sie ihn frei verwenden und auch in eine gedruckte Festschrift übernehmen. Bei Cicero, Goethe oder Seneca ist das unproblematisch. Bei modernen Autoren wie Hermann Hesse (gestorben 1962) läuft die Schutzfrist dagegen noch. Für eine gesprochene Rede im kleinen Kreis ist das in der Praxis selten ein Thema — wer das Zitat aber drucken oder veröffentlichen will, bleibt sicherer bei den alten Klassikern. Im Zweifel gilt dieselbe Regel wie bei der Zuschreibung: Was Sie nicht belegen können, lassen Sie weg.
Die folgenden Zitate stammen von längst verstorbenen Autoren und sind gemeinfrei — Sie dürfen sie frei verwenden. Jedes passt zu einem anderen Ton.
„Ende gut, alles gut."
— William Shakespeare, Titel der Komödie (um 1604)
„Dankbarkeit ist nicht nur die größte aller Tugenden, sondern die Mutter aller übrigen."
— Marcus Tullius Cicero, „Pro Plancio" (54 v. Chr.)
„Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun."
— Johann Wolfgang von Goethe, „Wilhelm Meisters Wanderjahre" (1829)
„Wer einen guten Freund hat, schaut nicht in den Spiegel."
— Sprichwort, überliefert; gut geeignet, wenn die Zuschreibung offenbleibt
„Muße ist die schönste Habe."
— Sokrates, überliefert bei Diogenes Laertios
„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer."
— Seneca, „Epistulae morales" (Brief 104)
Ein Zitat ist kein Pflichtprogramm. Greifen Sie nur dann zu einem, wenn es eine Aussage Ihrer Rede auf den Punkt bringt, die Sie selbst nicht schöner sagen könnten. Drei Fälle, in denen es sich lohnt: Sie brauchen eine elegante Brücke zum Schluss; das Zitat verbindet sich mit etwas, das die Person tatsächlich verkörpert hat; oder die Person mochte den Autor selbst. Hatte Herr Brandt Seneca auf dem Nachttisch, ist ein Seneca-Zitat ein liebevoller Gruß — kein Bildungsbeweis.
Umgekehrt gilt: Wenn ein Zitat nur dazu da ist, die Rede „hochwertiger" wirken zu lassen, lassen Sie es weg. Eine eigene konkrete Erinnerung schlägt jeden Sinnspruch.
Ein Zitat ist kein Schmuck, der irgendwo hängt — es muss anschließen. Drei Regeln:
Wenn ein Zitat humorvoll wirken soll, achten Sie auf den Ton der ganzen Rede — siehe Humorvoll und trotzdem würdevoll. Wo das Zitat im Gesamtaufbau sitzt, klärt der Aufbau-Ratgeber.
Lieber ganz ohne fremde Worte?
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Lachen lassen, ohne zu verletzen.
Wo das Zitat im Ganzen sitzt.
Persönlich statt Floskel.