Beispielrede · Mitarbeiter verabschieden ihren Chef

Beispiel: Abschiedsrede für den Chef — Im Namen des Teams

Situation: Daniel spricht im Namen seines Teams für den Abteilungsleiter Herrn Faber, der nach sechs Jahren das Unternehmen verlässt und zu einem Wettbewerber wechselt. Die Rede wird beim Abschiedsumtrunk gehalten, in entspannter Runde, der Chef selbst sitzt mitten unter den Leuten. Der Ton ist respektvoll und herzlich — und vor allem ehrlich: Eine Rede ans eigene Team über den Chef darf nicht nach Speichelei klingen, sonst glaubt sie keiner. Die Rede funktioniert, weil sie konkret lobt statt allgemein, ein bisschen frech sein darf und am Ende echte gute Wünsche überbringt. Alle Namen sind frei erfunden.

Lieber Herr Faber, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich soll heute im Namen des ganzen Teams ein paar Worte sagen — und ich habe vorher gefragt, ob ich ehrlich sein darf oder ob ich was Schönes vorlesen soll. Die Antwort war einstimmig: ehrlich. Also, Herr Faber, das geht jetzt auf Ihre Kappe.

Die Wahrheit ist: Sie waren kein einfacher Chef. Sie haben uns nie etwas durchgehen lassen, was halbgar war. Wer mit einem Konzept zu Ihnen kam, das er sich selbst nicht ganz glaubte, ging mit drei unbequemen Fragen wieder raus — und kam zwei Tage später mit etwas Besserem zurück. Das war manchmal anstrengend. Im Rückblick war es das Beste, was uns passieren konnte. Wir sind an Ihren Fragen gewachsen, ob wir wollten oder nicht.

Was Sie von vielen unterscheidet: Sie haben die Tür offen gelassen, auch dann, wenn etwas schiefging. Ich erinnere mich an den verpatzten Kunden-Termin im letzten Herbst, an dem ich ziemlich ramponiert ins Büro kam und mit einer Standpauke rechnete. Sie haben nur gesagt: „Erzählen Sie, was passiert ist, nicht, wessen Schuld es war." Und dann haben wir es gemeinsam geradegezogen. So jemandem arbeitet man gern zu — nicht aus Angst, sondern weil man ihn nicht enttäuschen will.

Sie haben in sechs Jahren aus einer Ansammlung von Einzelkämpfern ein Team gemacht, das sich gegenseitig den Rücken freihält. Das sieht man nicht im Geschäftsbericht, aber wir merken es jeden Tag. Und ehrlich gesagt: Genau deshalb sind wir heute ein bisschen sauer auf Sie. Sie gehen ausgerechnet jetzt, wo es richtig gut läuft. Dass die Konkurrenz Sie abgeworben hat, ist für die ein guter Tag — für uns ist es ein ziemlich mieser. Wir verzeihen es Ihnen trotzdem. Knapp.

Im Ernst: Wir gönnen es Ihnen. Sie haben sich die neue Aufgabe nicht erschlichen, Sie haben sie sich verdient. Wir wünschen Ihnen ein Team, das so eigensinnig und gut ist wie wir — viel Glück dabei, das ist eine hohe Latte. Und falls die drüben Ihre Fragen nicht aushalten: Sie wissen, wo wir sitzen.

Danke für sechs Jahre, in denen Sie uns ernst genommen haben. Bleiben Sie der, der die unbequeme Frage stellt. Alles Gute, Herr Faber. Auf Sie.

Ihre eigene Rede

Eine Rede im Namen des Teams — ehrlich und herzlich

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