Erinnerungen einbauen
Eigene Worte, die mehr tragen als jedes Zitat.
Zitate-Ratgeber
Ein gutes Zitat kann in einer Trauerrede aussprechen, was eigene Worte in diesem Moment nicht tragen. Ein schlechtes — oder falsch zugeschriebenes — wirkt dagegen wie aus dem Internet zusammengesucht. Hier finden Sie sechs klassische, gemeinfreie Zitate mit gesicherter Herkunft und eine Anleitung, wie ein Zitat in der Rede seinen Platz findet.
Ein Zitat ist kein Pflichtbestandteil. Es lohnt sich nur, wenn es eine von zwei Aufgaben erfüllt: Entweder es passt zur verstorbenen Person — ihr Lieblingsdichter, ein Satz, den sie selbst geschätzt hat. Oder es fasst den Grundgedanken Ihrer Rede in einer Form, die Sie selbst so nicht formulieren könnten. Ein Zitat, das nur „schön klingt", lassen Sie besser weg — die Trauergemeinde hört den Unterschied.
Eine Rede braucht zudem höchstens ein, in Ausnahmen zwei Zitate. Mehr verschiebt das Gewicht von der Person, um die es geht, zu fremden Stimmen.
Alle folgenden Zitate sind gemeinfrei — ihre Urheber sind seit mehr als 70 Jahren verstorben — und korrekt zugeschrieben:
„Das Leben der Toten ist in das Gedächtnis der Lebenden gelegt."
— Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.), römischer Redner und Philosoph
„Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können."
— Jean Paul (1763–1825), deutscher Schriftsteller
„Wie eine Erzählung, so ist das Leben: Nicht wie lang, sondern wie gut es war,
darauf kommt es an."
— Seneca (ca. 1–65 n. Chr.), römischer Philosoph, aus den Briefen an Lucilius
„Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann,
und man soll das auch gar nicht versuchen."
— Dietrich Bonhoeffer (1906–1945), deutscher Theologe, aus „Widerstand und Ergebung".
Der Gedanke geht weiter: Gerade die Lücke, die der Mensch hinterlässt, hält die
Verbundenheit mit ihm lebendig — ein ungewöhnlich ehrlicher Trost, der vielen
Trauernden guttut.
„Der Tod bedeutet gar nichts. Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen."
— Henry Scott Holland (1847–1918), englischer Theologe, frei übersetzt
aus der Predigt „Death is nothing at all". Häufig zu hören bei Trauerfeiern —
beachten Sie, dass Holland selbst diese Sicht in seiner Predigt als eine von
zwei Perspektiven beschreibt.
„Der Tod ist groß. / Wir sind die Seinen / lachenden Munds."
— Rainer Maria Rilke (1875–1926), aus dem Gedicht „Schlußstück".
Geeignet, wenn die Rede einen literarischen, nachdenklichen Ton trägt.
Viele beliebte Trauersprüche sind falsch zugeschrieben — angebliche Worte von Goethe, Augustinus oder Saint-Exupéry, die sich in keinem ihrer Werke finden. Wenn jemand bei der Feier die echte Quelle kennt, beschädigt das einen Moment, der ungestört bleiben sollte. Prüfen Sie deshalb jedes Zitat, das Sie verwenden möchten, auf seine Herkunft — oder greifen Sie auf gesicherte wie die obigen zurück. Bei Dichtern, die noch keine 70 Jahre tot sind, kommt das Urheberrecht hinzu, sobald Texte gedruckt werden, etwa in der Trauerkarte oder im Programmheft.
Die Regel ist einfach: Ein Zitat steht nie allein. Es braucht davor oder danach die Brücke zur verstorbenen Person. Drei bewährte Plätze:
Am Anfang — als Ton-Geber, mit sofortiger Anbindung: „‚Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können', hat Jean Paul geschrieben. Und an Erinnerungen hat uns Opa reich gemacht." Mehr dazu im Ratgeber Der richtige Einstieg in die Trauerrede.
Am Ende — als letzter Gedanke vor dem Abschiedsgruß. Hier wirkt ein Zitat am stärksten, weil es nachklingen darf.
Als Stimme der verstorbenen Person — wenn es ihr Lieblingszitat war: „Dieser Satz hing bei ihr über dem Schreibtisch. Heute verstehen wir vielleicht besser, warum."
Wenn kein Zitat passt, ist das kein Mangel. Der Satz „Sie hat aus jedem Sonntag ein kleines Fest gemacht" tröstet eine Trauergemeinde mehr als jede geliehene Weisheit — weil er nur diesen einen Menschen meint. Wie Sie solche Sätze finden, zeigen die Ratgeber Persönliche Erinnerungen einbauen und Trauerrede schreiben in 6 Schritten.
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