Vortrag & Stil
Anrede & Begrüßung: Wen nenne ich zuerst?
Die Begrüßung ist der erste gesprochene Moment — und sie signalisiert, wie der Redner tickt. Wer zu lange namentlich aufzählt, verliert das Publikum, bevor die Rede beginnt. Wer die falsche Reihenfolge wählt, riskiert Verstimmung. Hier ist, wie Sie es richtig machen.
Die Grundregel: Rang und Nähe entscheiden
Die klassische Konvention folgt zwei Prinzipien: Würde vor Beziehung, und Brautpaar vor allen anderen. Das bedeutet: Das Brautpaar steht immer am Anfang, dann folgen Personen nach ihrer gesellschaftlichen oder familiären Bedeutung im Kontext der Feier.
In der Praxis sieht die Reihenfolge so aus:
- Das Brautpaar (namentlich)
- Die Eltern beider Seiten (falls anwesend)
- Weitere Ehrengäste oder Großeltern (falls es einen besonderen Grund gibt, sie zu nennen)
- Die versammelte Gesellschaft als Gruppe
Was nicht funktioniert: jeden einzelnen Gast zu begrüßen. Sobald Sie anfangen, Tanten, Cousinen und Arbeitskollegen namentlich aufzulisten, verliert die Begrüßung ihre Funktion. Sie wird zur Anwesenheitsliste — und das Publikum wartet nur darauf, dass es endlich losgeht.
Wen nennt man zuerst — Braut oder Bräutigam?
Die traditionelle Konvention lautet: Braut zuerst. Das hat historische Wurzeln (der Hochzeitstag gehört traditionell der Braut), ist aber heute keine Pflicht. In vielen modernen Hochzeiten wird die Reihenfolge nach persönlicher Beziehung gewählt: Der Redner nennt zuerst die Person, zu der er eine engere Verbindung hat.
Bei gleichgeschlechtlichen Paaren gibt es keine Konvention — wählen Sie die Reihenfolge so, dass sie sich stimmig anfühlt, oder fragen Sie das Paar vorher.
Beispiel-Begrüßungen für verschiedene Konstellationen
Klassische Begrüßung durch den Trauzeuge / die Trauzeugin:
„Liebe Marie, lieber Thomas, liebe Eltern und Schwiegereltern, liebe Freunde und Gäste — ich freue mich sehr, dass ich heute hier sprechen darf."
Kurze, direkte Variante für eine persönliche Rede:
„Liebe Marie, lieber Thomas — und an alle hier: Ich werde jetzt etwas erzählen, was die meisten von Ihnen nicht wissen."
Begrüßung durch einen Elternteil:
„Liebes Brautpaar, liebe Schwiegereltern, liebe Gäste — als Mutter der Braut ist das heute ein besonderer Abend für mich."
Begrüßung bei gemischtem Publikum (internationale Gäste):
„Liebe Marie, lieber Thomas, dear friends from abroad, liebe Gäste — ich freue mich, dass Sie alle heute hier sind."
Moderne, lockere Variante:
„Also — ich würde jetzt gerne anfangen, bevor mir die Nerven versagen. Marie, Thomas, das hier ist für euch."
Moderne vs. klassische Anrede: Was passt wann?
Die klassische Form — vollständige Aufzählung in korrekter Reihenfolge — signalisiert Seriosität und Respekt. Sie passt zu förmlicheren Hochzeiten, zu Reden von Eltern oder älteren Verwandten, und zu Kontexten, in denen das Publikum eine solche Geste erwartet.
Die moderne Form — direkter Einstieg mit dem Brautpaar, ohne lange Aufzählung — wirkt lebendiger und persönlicher. Sie passt zu Trauzeugenreden, zu Freundeskreisen, in denen Förmlichkeit fehl am Platz wäre, und zu Rednern, die einen starken Einstieg priorisieren.
Eine pragmatische Lösung: Nennen Sie das Brautpaar und die Eltern in einem kurzen Satz, dann fassen Sie den Rest als Gruppe zusammen. Drei bis vier Sekunden, fertig. „Liebe Marie, lieber Thomas, liebe Familien und Gäste" — das deckt alle ab, ohne zu zählen.
Was Sie in der Begrüßung nicht sagen sollten
Vermeiden Sie Formulierungen, die bereits in der Begrüßung Zeit kosten, ohne etwas Inhaltliches beizusteuern. Klassische Beispiele:
- „Ich möchte mich kurz vorstellen, mein Name ist..." — wer Sie sind, ergibt sich aus dem Kontext oder wurde bereits angekündigt.
- „Es ist mir eine große Ehre, heute hier sprechen zu dürfen..." — das klingt nach Pflicht, nicht nach Freude.
- „Ich hoffe, dass ich das hier gut hinkriege..." — eröffnen Sie nicht mit Selbstzweifeln.
Die Begrüßung ist ein Durchgangsraum, kein Aufenthaltsort. Machen Sie sie kurz und klar, damit die eigentliche Rede so schnell wie möglich beginnen kann.
Übergang von der Begrüßung in die Rede
Nach der Begrüßung brauchen Sie einen klaren Übergang, der das Publikum in den ersten Inhalt führt. Kein abrupter Wechsel, aber auch keine lange Überleitung.
Gut: „Ich kenne Thomas seit zwölf Jahren — und heute möchte ich Ihnen erzählen, was ich in dieser Zeit über ihn gelernt habe."
Gut: „Marie und ich haben uns in der Studienzeit kennengelernt. Was Sie wahrscheinlich nicht wissen: Das erste, was ich von ihr gedacht habe, war..."
Schlechter: „Ich möchte jetzt beginnen..." — das ist keine Brücke, das ist eine Ankündigung, die Sie auslassen können.
Mehr zur Struktur der gesamten Rede lesen Sie im Artikel Aufbau einer Hochzeitsrede.
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